Review: Homeserver auf der Basis von Windows XP
Anforderungen:
Auf der Suche nach einer zentralen Ablagestelle für alle meine Daten und Backups, die jedoch möglichst günstig, aber auch zukunftssicher sein sollte, kamen zu Beginn mehrere Möglichkeiten in Betracht: Externe Festplatte, NAS und der selbstgebaute Homeserver.
Die externe Festplatte konnte ich sehr schnell ausschließen, da es einfach nur unpraktisch ist, die Festplatte dauernd zwischen den verschiedenen PCs umstecken zu müssen. Außerdem ist es mehr als lästig, wenn man bei einem steigenden Datenvolumen (wovon ich ausgehe / ausging) mehrere externe Festplatten hat, und vor jeder Benutzung darüber nachdenken muss, welche Platte man nun anzustecken hat.
Somit musste ich mich "nur noch" zwischen einem fertigen NAS und einem selbstgebauten NAS entscheiden. Hier die aus meiner Sicht jeweiligen Vor- und Nachteile der beiden "Kontrahenten":
NAS:
+ Plug&Play, kein Einrichten nötig, sehr geringer Zeitaufwand
+ niedriger Stromverbrauch
+ geringe Lautstärke
- Preis bei akzeptabler Gigabit Performance sehr hoch
- schlechte Erweiterbarkeit, sowohl software- als auch hardwareseitig
Eigenbau NAS:
+ günstiger
+ hohe Flexibilität
+ einfache Erweiterbarkeit
- hoher Zeitaufwand / man muss sich in die Materie einarbeiten
- höherer Stromverbrauch
Da für mich die Kostenersparnis im Vordergrund stand und ich mich auch mal gerne längere Zeit mit Computern usw. beschäftige habe ich mich letzten Endes für den Eigenbau entschieden. Wem das jedoch zu viel ist, dem kann ich nur die Firma QNAP ans Herz legen, die sehr gute NAS Systeme herstellen, leider jedoch auch zu einem entsprechend hohen Preis.
Hardware:
Bei der Hardware habe ich auf stromsparende Desktophardware aus dem Hause AMD gesetzt. Hier eine kurze Übersicht:
Mainboard: Asrock N68PV-GS mit integrierter Grafik onboard [35 €]
CPU: AMD Sempron LE 1250 (nicht mehr verfügbar) Alternativ: AMD Sempron 140 [30 €]
Arbeitsspeicher: 1 GB [20 €]
Netzteil: Enermax PRO82+ mit 385 Watt [60 €]
Insgesamt belaufen sie die Ausgaben für die Hardware ohne die entsprechenden Festplatten also auf rund 130 €. Will man statt dem Sempron auf eine CPU mit mehr Performance setzten. empfehle ich die neuen AM3 CPUs von AMD z.B. den AMD Athlon II X2 215 mit 2,7 GHz. Die ist durchaus sinnvoll, wenn man beispielsweise vor hat, seine Festplatten mit Truecrypt zu verschlüsseln. Benchmarks hierzu finden sich weiter unten im Abschnitt "Performance".
Als Festplatten kommen bei mir 2 Western Digital WD10EADS mit je 1 TB (eine davon als Systemplatte), sowie eine Samsung F2 mit 1,5 TB
zum Einsatz. Will man seinen "Server" weiter optimieren, so schlage ich vor, das System auf eine 2,5" Festplatte auszulagern. Dies habe ich aus Kostengründen jedoch nicht getan. Rein Leistungstechnisch sind die Platten recht identisch, jedoch ist die Samsung F2 einen Tick lauter. Bei Kauf würde ich einfach die günstigste nehmen, wobei dies im Moment die 1,5 TB Modelle von Samsung sind, mit ca. 55 Euro je Terabyte.
System / Software:
Wie bereits in der Überschrift genannt, läuft mein Homeserver auf der Basis von Windows XP. Zugriffe auf die Mediadaten habe ich über die erweiterte Datenfreigabe von Windows XP Professional realisiert. So kann man verschiedene Ordner für unterschiedliche Benutzer freigeben / sperren. Dies ist zwar lange nicht so konfortabel wie eine Windows Domäne, jedoch stehen Aufwand und Komfortabilität in keiner Relation zum Nutzen den eine Domäne bringen würde.
Für den Zugriff von außen, sowie schnelleren Datentransfer habe ich einen FTP Server eingerichtet. Zu empfehlen ist hier FileZilla FTP Server, welcher Dank eine GUI sehr leicht und einfach zu verwalten ist. Die Userverwaltung ist denkbar einfach und dürfte auch für den ungeübten Anwender problemlos funktionieren.
Um die Stromkosten bei 24 Stunden Betrieb nicht ins unermessliche ansteigen zu lassen, habe ich cool'n'quiet von AMD deaktiviert und stattdessen die CPU mit Hilfe von CrystalCPUID manuell heruntergetaktet. So läuft die CPU im Idle bei einer Taktrate von 800 MHz mit einer Spannung von 0,8V stabil. Der Verbrauch mit allen Festplatten im Idle pendelt sich bei ca 35 Watt ein. Benötigt der Server mehr Leistung taktet sich die CPU automatisch auf 2,2 GHz bei 1,0V herauf.
Performance:
Als Switch kommt ein D-Link DGS-1005D mit 5 Ports und Gigabit LAN zum Einsatz. Die Kabel sind normale CAT 5e Kabel mit einer Länge von bis zu 15 Metern.
Netzwerkperformance laut NetIO:
NETIO - Network Throughput Benchmark, Version 1.26
(C) 1997-2005 Kai Uwe RommelTCP connection established.
Packet size 1k bytes: 45394 KByte/s Tx, 51894 KByte/s Rx.
Packet size 2k bytes: 73523 KByte/s Tx, 77898 KByte/s Rx.
Packet size 4k bytes: 105859 KByte/s Tx, 82195 KByte/s Rx.
Packet size 8k bytes: 107448 KByte/s Tx, 99537 KByte/s Rx.
Packet size 16k bytes: 112079 KByte/s Tx, 103988 KByte/s Rx.
Packet size 32k bytes: 112516 KByte/s Tx, 107215 KByte/s Rx.
Done.
FTP Performance Test (schreiben):
Testfile: 4,2 GB (OpenSuse 11.1 DVD Image)
Übertragungsdauer: 1:29 min
Durchschnittliche Übertragungsrate: 48,78 MByte/sTestfile: 1 GB mp3 Dateien ( 162 Dateien)
Übertragungsdauer: 27,4 s
Durchschnittliche Übertragungsrate: 37,37 MByte/sTestfiles: 1 GB Bilder (3012 Dateien, 412 Ordner)
Übertragungsdauer: 2:35 min
Durchschnittliche Übertragungsrate: 6,61 MByte/s (1 Übertragung gleichzeitig)Übertragungsdauer: 1:52 min
Durchschnittliche Übertragungsrate: 9,14 MByte/s (5 Übertragung gleichzeitig)
FTP Performance Test (lesen) :
Testfile: 4,2 GB (OpenSuse 11.1 DVD Image)
Übertragungsdauer: 1:19 min
Durchschnittliche Übertragungsrate: 54,96 MByte/sTestfile: 1 GB mp3 Dateien
Übertragungsdauer: 27,5 s
Durchschnittliche Übertragungsrate: 37,27 MByte/sTestfiles: 1 GB Bilder
Übertragungsdauer: 4:21 min
Durchschnittliche Übertragungsrate: 3,92 MByte/s (1 Übertragung gleichzeitig)Testfiles: 1 GB Bilder
Übertragungsdauer: 3:06 min
Durchschnittliche Übertragungsrate: 5,01 MByte/s (5 Übertragungen gleichzeitig)
Transfer über Windows Netzwerkfreigabe (schreiben):
Testfile: 4,2 GB (OpenSuse 11.1 DVD Image)
Übertragungsdauer: 1:22 min
Durchschnittliche Übertragungsrate: 52,95 MByte/s
Transfer über Windows Netzwerkfreigabe (schreiben):
Testfile: 4,2 GB (OpenSuse 11.1 DVD Image)
Übertragungsdauer: 3:20 min
Durchschnittliche Übertragungsrate: 21,71 MByte/s
Festplattenperformance:
Truecrypt Performance:

AES verschlüsselt:

FTP Transfer Truecrypt (lesen):
Testfile: 4,2 GB (OpenSuse 11.1 DVD Image)
Übertragungsdauer: 2:29 min
Durchschnittliche Übertragungsrate: 29.14 MByte/s
FTP Transfer Truecrypt (schreiben):
Testfile: 4,2 GB (OpenSuse 11.1 DVD Image)
Übertragungsdauer: 2:27 min
Durchschnittliche Übertragungsrate: 29.54 MByte/s
Fazit:
Im großen und ganzen bin ich mit meinem Homeserver rundum zufrieden. Eine zentrale Datenablage und ein zentraler Speicherort für alle Backups sind einfach mehr als praktisch. Hinzu kommt die einfache Erweiterbarkeit, wenn der Platz knapp wird. Einfach eine neue Festplatte kaufen und die Sorge "Speicherplatz" ist man fürs Erste wieder los. Auch mit der Performance bin ich zufrieden, lediglich die Sambaperformance lässt etwas zu wünschen übrig. Trotzdem werde ich über kurz oder lang einen neuen Prozessor einbauen, da ich auch bei Truecrypt verschlüsselten Festplatten die 60 MByte/s erreichen möchte. Außerdem steht aktuell noch die Frage im Raum, ob die Daten nicht auf ein RAID 5 wandern sollen. Diese Frage habe ich aus Kostengründen allerdings noch nicht entschieden.
Ich kann nur jedem empfehlen, der mehrere Computer und ein etwas höheres Datenaufkommen hat, sich ein NAS zuzulegen, ob Eigenbau oder FertigNAS muss jeder selbst entscheiden.
Bei Anregungen, Verbesserungsvorschlägen oder Fragen einfach einen Kommentar hinterlassen.
TODO:
- genauen Stromverbrauch messen
Related posts:
- Stromsparender Homeserver auf AMD Basis ohne RAID
- Test / Review: Sharkoon Rebel 9 Economy Edition
- Windows XP im Dauerbetrieb
- Windows Bluescreen Sammlung
- Netbooks mit Windows 7 im Test







Dezember 16th, 2009 - 00:14
“Sambaperformance” unter Windows-XP.. ?
Grüße
Dezember 16th, 2009 - 00:26
Danke für den Hinweis. Habe da wohl ein paar Begriffe im Kopf durcheinander geworfen. Meinte natürlich die einfach Netzwerkfreigabe (dürfte dann einfach nur SMB sein). Wird sofort geändert.
Gruß
h4wk
Januar 19th, 2010 - 12:46
Hallo,
erstmal danke für die Mühe der Beschreibung
Ich denke, dass ein Wert mit “schreiben” statt lesen angegeben wurde: Der 1. “Transfer über Netzwerkfreigabe”.
#
Wie hast Du den Server durch den Switch am Internet? Zweite Netzwerkkarte, oder stöpselst Du dafür so um, dass der Switch auf den Router uplinkt?
Bin noch am Planen des Heimnetzes…
Gruß!
Gast@h4wk
Januar 25th, 2010 - 17:58
Der Server hängt einfach über einen freigegeben Port am Internet. Allerdings einfach nur testweise, da sich ein “Server” mit 20 kb/s so oder zu nicht im Internet gebraucht lässt.
gruß
h4wk