„Krieg ist manchmal nicht nur notwendig, sondern moralisch gerechtfertigt“
Als ich vor einigen Wochen erfahren habe, dass Barack Obama den Friedensnobelpreis erhalten soll, war ich zunächst entsetzt. Warum sollte ein Mann, der bis jetzt noch nichts verwertbares vollbracht hat (ausgenommen der Ankündigung Guantanamo zu schließen), der der Oberbefehlshaber der größten Armee der Welt ist und sich mit zwei Ländern im Krieg befindet, den Friedensnobelpreis erhalten. Inzwischen bin ich jedoch anderer Meinung. Mit dem Preis wurde Obama eine schwere Aufgabe auferlegt, er darf die Welt jetzt nicht mehr enttäuschen. In Zukunft wird zumindest Obama nicht mehr so einfach Abkommen nicht unterzeichen können, wie z.B. das Anti-Landminen Abkommen oder ähnliche Abkommen.
In seiner Rede bei der Überreichung des Preises, die vom Tagesspiegel teilweise übersetzt wurde, geht Obama auf die von mir angesprochenen “Probleme” ein. Die meiner Meinung nach wichtigesten Teile der Rede habe ich hier herausgesucht.
Und dennoch wäre es nachlässig, wenn ich nicht auf die erheblichen Kontroversen eingehen würde, die Ihre großzügige Entscheidung zur Folge hatte. Teilweise liegt das daran, dass ich am Anfang, und nicht am Ende meiner Bemühungen auf der Weltbühne stehe. Verglichen mit einigen Größen der Geschichte, die mit diesem Preis ausgezeichnet wurden – Schweitzer und King, Marshall und Mandela – sind meine Leistungen gering. Und dann gibt es die Frauen und Männer auf der Welt, die ins Gefängnis geworfen und geschlagen werden, weil sie sich für Gerechtigkeit einsetzen, sich in humanitären Organisationen abmühen, um das Leid zu lindern, die verkannten Millionen, deren stille Taten von Mut und Mitgefühl zeugen und sogar die abgebrühtesten Zyniker berühren. Ich kann jenen nicht widersprechen, die der Meinung sind, dass diese Frauen und Männer – einige von ihnen bekannt, andere von ihnen nur sichtbar für die Menschen, denen sie helfen – diese Ehre weit mehr verdienen als ich.
Ich habe heute keine endgültige Lösung für die Probleme des Krieges dabei. Aber ich weiß, dass wir denselben Weitblick, dieselbe harte Arbeit und dieselbe Ausdauer benötigen wie die Frauen und Männer, die vor Jahrzehnten so mutig gehandelt haben, wenn wir diese Herausforderungen bewältigen wollen. Und wir werden völlig neu über die Konzepte eines gerechten Krieges und die Gebote eines gerechten Friedens nachdenken müssen.
Dabei bin ich mir dessen bewusst, was Martin Luther King vor Jahren während derselben Zeremonie sagte: „Gewalt führt nie zu dauerhaftem Frieden. Sie löst kein gesellschaftliches Problem: Sie schafft lediglich neue und kompliziertere Probleme.“ Als jemand, der als unmittelbare Konsequenz des Lebenswerks von Dr. King hier steht, bin ich der lebendige Beweis für die moralische Kraft von Gewaltlosigkeit. Ich weiß, dass die Überzeugung und das Leben von Gandhi und King nichts Schwaches, nichts Passives und nichts Naives hatten.
Aber als Staatschef, der kraft seines Amtseides verpflichtet ist, sein Land zu schützen und zu verteidigen, kann ich mich nicht nur von ihrem Beispiel leiten lassen. Ich stehe der Welt gegenüber, wie sie ist, und ich kann angesichts der für die amerikanischen Bürger bestehenden Bedrohungen nicht untätig sein. Denn täuschen Sie sich nicht: Das Böse existiert auf der Welt. Eine gewaltlose Bewegung hätte Hitlers Armeen nicht stoppen können. Verhandlungen können die Anführer von Al Qaida nicht überzeugen, ihre Waffen niederzulegen. Es ist kein Aufruf zum Zynismus, wenn man sagt, dass Gewalt manchmal notwendig ist – es ist eine Anerkennung der Geschichte, der Unvollkommenheit des Menschen und der Grenzen der Vernunft.
Die Vereinigten Staaten von Amerika haben dazu beigetragen, die globale Sicherheit seit mehr als sechzig Jahren mit dem Blut unserer Bürger und der Stärke unserer Waffen zu garantieren. [...] Wir tragen diese Last nicht, weil wir anderen unseren Willen aufzwingen wollen. Wir tun es aus aufgeklärtem Selbstinteresse heraus – weil wir eine bessere Zukunft für unsere Kinder und Enkelkinder wollen und glauben, dass ihr Leben besser sein wird, wenn die Kinder und Enkelkinder anderer Menschen auch in Freiheit und Wohlstand leben können.
Ich bin der Meinung, dass Gewalt aus humanitären Gründen gerechtfertigt werden kann, wie das auf dem Balkan oder an anderen Orten der Fall war, die vom Krieg Narben davongetragen haben. Untätigkeit zerrt an unserem Gewissen und kann dazu führen, dass eine spätere Intervention einen noch höheren Preis hat. Daher müssen alle verantwortungsvollen Länder die Rolle annehmen, die Militärs mit einem eindeutigen Mandat bei der Friedenssicherung spielen können.
Viele Punkte von Obamas Rede kann ich nachvollziehen, lediglich ein Aspekt finde ich unangebracht. Die USA ist nicht der Retter der Welt und wird dies auch nie sein. Das von Obama genanne uneigennützige Einschreiten der USA in diverse Konflike halte ich für mehr als fraglich, den letztendlich hat die USA bis jetzt immer nur dann eingegriffen, wenn sie unmittelbar betroffen waren. Hätte bin Laden damals nicht die Anschläge in den USA verübt, würde in Afganistan heute noch die Taliban herrschen und keinen (oder auf jedenfall NICHT die USA) würde es stören.
Wer Obamas Rede komplett anhören möcht findet das Video hier:
Related posts:





