Die Wahnvorstellungen des Gerhard Zeiler
oder: Provider für Urheberrechtsverstöße zur Verantwortung ziehen
Manchmal muss ich mich echt fragen, ob ich es bin, der total in der falschen Welt lebt und extrem abwegig denkt, oder ob es dann doch die Anderen sind... Aber was der RTL Chef Gerhard Zeiler gestern Nachmittag von sich gegeben hat, ist einfach nur eine Zumutung und man muss sich Fragen wie ein solcher Mensch es je in eine führende Funktion geschafft hat. Laut seiner Auffassung sollen künftig die Zugangsanbieter und Telekommunikationsunternehmen für Urheberrechtsverstöße ihrer Kunden zur Verantwortung gezogen werden. Denn damit hätten es die Inhaltsanbieter einfacher und könnten Ihre Schadensersatzklagen direkt an die Provider richten. Diese Aussage machte er im Rahmen des Symposiums "Perspektiven für die Kreativität" des Verbands Privater Rundfunk und Telemedien (VPRT). Für mich hört sich das Ganze nach einer neuen Geschäftsidee der privaten Rundfunkmedien an, die mit Ihrem Programm die Bevölkerung nicht mehr erreichen (was angesichts von Ramschsendungen, wie DSDS, Die SuperNanny oder anderen Formaten, die hoffnungslos von Werbung überladen sind, auch kein Wunder ist). Als weiteren Grund führt der VPRT die "technologischen Entwicklungen" an, die es nötig machen, dass man gegen die Provider vorgehen kann. Für mich hört sich das Ganze so an, also suche die Musik / Film / Rundfunkindustrie für die von Ihnen verpasste Anpassung des Geschäftsmodells an das Internet einen Sündenbock. Hätten Film und Fernsehen von Anfang an das Potential des Internets erkannt und Filme, Serien und Bonusmaterial kostenlos oder gegen ein geringes Entgelt online zur Verfügung gestellt, so wäre es die illegale Szene in diesem Gebiet nie so stark gewachsen und es gäbe heute keine solchen Probleme. Wieder einmal sollen als anderen für die eigenen Fehler bezahlen, einfach nur unglaublich.
Folgt man der Argumentation, dass Provider für die Inhalte, die von Ihren Kunden abgerufen werden, zur Verantwortung gezogen werden können, so muss man auch Autohersteller für Verbrechen verantwortlich machen, bei welchen ein Auto zur Flucht diente, oder Waffenhersteller müssen für Morde zur Verantwortung gezogen werden. Einfacher wäre in diesem Fall aber, einfach die Eltern der Verbrecher zu verklagen, denn diese sind ja schlussendlich dafür verantwortlich das die Person überhaupt existiert. Die Eltern ihrerseits könnten wiederum die Biologielehrer verklagen, welche Sexualkunde unterrichtet haben, denn ohne diesen hätten die Eltern nicht gewusst, wie Kinder überhaupt gemacht werden. Der Biologielehrer seinerseits kann dann den lieben Gott verklagen, denn dieser ist letztendlich dafür verantwortlich, dass es den Menschen überhaupt gibt. Doch auch der liebe Gott muss die Schuld nicht auf sich sitzen lassen, er kann dann Chuck Norris verklagen, da dieser dafür verantwortlich ist, dass der liebe Gott existiert.
Aber wäre es nicht einfacher, wenn einfach jeder die Verantwortung für seine eigenen Fehler übernimmt?
Wer jetzt allerdings denkt, Gerhard Zeiler hätte nun für das Erste genug sinnfreie Argumente von sich gegeben, der irrt. Denn weiter fordert er, dass den Inhaltsanbietern Zugriff auf die Daten der Vorratsdatenspeicherung gegeben wird, welche bis jetzt nur Sicherheitsbehörden zur Verfügung stehen. Denn wer braucht den schon Datenschutz für sensible Daten, wenn man doch sowieso nichts zu verheimlichen hat. Das ist doch einfach nur absurd: es scheint so, als wolle die komplette Filmindustrie Ihre Gewinn mit Hilfe von Abmahnanwälten und Klagen erzielen. Das man Gewinn durch Innovation und neue Ideen machen kann, ist scheinbar lange vergessen und wie es schein ein Auslaufmodell.
Damit aber noch nicht genug: Zeiler fordert offen von den Providern die Sperrung (und damit Zensur) von Seiten wie kino.to, da diese für die Filmindustrie eine große Bedrohung darstellen. Und wenn man dann dich sowieso gerade am zensieren ist, könnte man meiner Meinung nach auch gleich noch alle "Killerspiele" Seiten, Blogs und nicht staatlich kontrollieren Medien sperren... Denn wer braucht schon ein freies Internet, der Staat wird uns schon alles mitteilen was wichtig ist, in China klappt das ja schließlich auch.
(via)
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